 |
 |
|
 |














 |
 |
und.Institut
Das und.Institut verbindet die Idee und Praxis der Zukunftsfähigkeit mit Kunst und Kultur.
Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?
und
Zukunftsfähigkeit
Kultur
Kunst
 |
 |

|
Vom "entweder-oder" zum "und"
Mit seinem Namen knüpft das Institut an Wassily Kandinskys Aufsatz "und" von 1927 an.
Darin heißt es: Während sich das 19. Jahrhundert dem Prinzip des "entweder-oder" verschrieben habe, also der Spezialisierung, der
Absonderung, der strikten Trennung von Wissenschaft, Technik und Kunst, müsse nun das "und" folgen - das Zeitalter
der Synthese und der Interdependenzen.
"Der Anfang besteht in der Erkenntnis der Zusammenhänge. Immer mehr wird man sehen können, dass es keine
`speziellen´ Fragen gibt, die isoliert erkannt oder gelöst werden können, da alles schließlich
ineinander greift und voneinander abhängig ist. Die Fortsetzung des Anfangs ist: weitere Zusammenhänge zu
entdecken und sie für die wichtigste Aufgabe des Menschen auszunützen - für die Entwicklung."
"Entwicklung" meint hier nicht den linear-quantitativen Fortschritt der Industriemoderne, sondern die Entfaltung
von Humanität im Individuum und in der Gesellschaft.
Nachdem das 20. Jahrhundert diese Aufgabe nicht erfüllt hat, bleibt sie dem 21. Jahrhundert überlassen.
Vgl. Wassily Kandinsky, "und", in: ders., Essays über Kunst und Künstler, Bern: Benteli, 19733, S. 107f. ISBN 3-7165-0181-6.
Seitenanfang
 |
 |


Wassily Kandinsky, Komposition 1, Erstes abstraktes Bild, 1910, ©VG Bild-Kunst, Bonn |
Zukunftsfähigkeit
Der Begriff Zukunftsfähigkeit, synonym Nachhaltigkeit, verdankt seine weltweite Karriere der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung, dem "Erdgipfel", 1992 in Rio de Janeiro. Als Definition formulierte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987: Zukunftsfähig ist eine Entwicklung, "die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen."
Seit Beginn des neuen Jahrhunderts zeigt sich im deutschsprachigen Raum eine wachsende Sensibilität für die kulturelle Dimension des Leitbildes Zukunftsfähigkeit. So betonte 2001 das Tutzinger Manifest, zu dessen Initiatoren Hildegard Kurt zählt:
"Das Leitbild Nachhaltige Entwicklung beinhaltet eine kulturelle Herausforderung, da es grundlegende Revisionen überkommener Werte und Praktiken in allen Bereichen - von der Politik über die Wirtschaft bis zur Lebenswelt - erfordert. Nachhaltigkeit braucht und produziert Kultur: als formschaffenden Kommunikations- und Handlungsmodus, durch den Wertorientierungen entwickelt, reflektiert, verändert und ökonomische, ökologische und soziale Interessen austariert werden."
Anlässlich der Akteurskonferenz "Kunst, Kultur und Nachhaltigkeit" 2003 in Berlin erklärte Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, die Verwirklichung von Zukunftsfähigkeit sei ein weltweiter Such- und Lernprozess. Das Institut ist den vielfältigen Akteuren im Suchraum Nachhaltigkeit ein Partner beim Bemühen um geistige Offenheit und um kreative Vielfalt.
Seitenanfang
 |
 |


Mierle Laderman Ukeles, The Social Mirror, New York City, 1983, Courtesy of Ronald Feldman Fine Arts, New York

Das kulturelle Zeitalter steht bevor.
Jean-Christophe Amman |
Kultur der Zukunftsfähigkeit
Merkmale einer Kultur der Zukunftsfähigkeit:
- ein Kulturbegriff, der den Menschen und die außermenschliche
Natur in einen umfassenden Lebenszusammenhang stellt
- eine Verständigung auf Grundwerte, von denen Gesellschaften zusammengehalten werden, namentlich auf: Gerechtigkeit – zwischen den jetzt weltweit lebenden Menschen, im Blick auf die künftigen Generationen und im Blick auf die Natur; das Prinzip Verantwortung; Toleranz; der Schutz der Schwachen
- die Wahrung kultureller und biologischer Vielfalt
- Partizipation in allen gesellschaftspolitischen Entscheidungs- und Gestaltungsfragen einschließlich der Demokratisierung des Globalisierungsprozesses
- ein hoher politischer und philosophischer Stellenwert der Frage nach dem „guten“ Leben und die Pflege einer zukunftsfähigen Lebenskunst
- Offenheit für das Geistige und für höhere persönliche Entwicklungsstufen
- eine Rückführung der Kunst aus ihrer Randposition in die Lebenswelt
- interkulturelle Kompetenz im Dialog der Kulturen, da in einer eng verflochtenen Welt eine Zukunftsperspektive nur gemeinsam gesichert werden kann.
Zum Weiterlesen: Buch "Kultur-Kunst-Nachhaltigkeit. Die Bedeutung von Kultur für das Leitbild Nachhaltige Entwicklung"
Seitenanfang
 |
 |


Ana Mendieta, Silueta Series, Performance, Iowa, USA, 1971, Courtesy Nachlass Ana Mendieta und Galerie Lelong, New York

Der Kampf um Kultur ist heute der Kampf um das Leben. Der Kampf um das Leben ist heute ein kultureller Kampf.
Ana Mendieta

|
Kunst
Seit je ist die Kunst Nährboden für veränderte Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen. Im Abendland tritt sie in Gestalt der neun Musen - Töchter des Zeus und der Mnemosyne, Göttin der Erinnerung - als Mittlerin zwischen Geist und Erinnern an und damit zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.Insbesondere ab dem Beginn der Moderne hat die Kunst in ihrer vehement unternommenen "Anstrengung zur Mündigkeit" (Theodor W. Adorno) eine ganze Reihe von Experimenten unternommen, Erfahrungen gesammelt und auch Irrtümer begangen, die heute für die Suche nach zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsweisen überaus konstruktiv sein können. Während das und.Institut bereits mit seinem Namen an die Klassische Moderne anknüpft, basiert die Arbeit des Instituts auch wesentlich auf dem Erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys. Angesichts der existenziellen Krisen unserer Zeit müsse das Verständnis von Kunst,
so Beuys, dergestalt erweitert werden, dass es die in jedem einzelnen Menschen angelegte Kreativität mit umfasst.Heute entfaltet sich weltweit eine innovative Kunst an jenen neuralgischen Punkten, wo die sozialen und ökologischen Kosten der Industriemoderne manifest werden. Jenseits einer rein instrumentellen Vernunft erkunden künstlerische Grenzgänger, auf welche Weisen das überkommene Fortschrittsmodell in zukunftsfähige Gesellschaftsformen überführt werden kann. Kennzeichnend für diese Praktiken sind Strategien, wie sie in der westlichen Kunst seit den sechziger Jahren entwickelt werden: Orts- und Kontextbezogenheit und daraus resultierend ein vernetzendes Denken, Einbeziehung der Rezipienten bei der Gestaltung, sowohl konzeptuell wie auch als teilhabende Akteure sowie die Orientierung weg vom Objekt, hin zu Prozessen. Das und.Institut schafft an Schnittstellen zwischen dem Kunstfeld und den verschiedenen Lebenswelten Rahmen,
innerhalb derer in künstlerischen und wissenschaftlichen und sozialen Initiativen zugleich Zukunftsfähigkeit gestaltet wird.Wo immer es gelingt, kurzsichtige Funktionalisierungen zu vermeiden, kann bei künstlerisch mitgetragenen, transdisziplinären Kommunikations-, Forschungs- und Gestaltungsprojekten - ob mit der Wissenschaft, mit dem Kulturbetrieb oder der Wirtschaft, ob mit staatlichen Einrichtungen oder mit Nichtregierungsorganisationen - eine wechselseitiges Inspirieren stattfinden, das allen beteiligten Akteuren die Augen für andere Sichtweisen öffnet.
Seitenanfang
 |
 |


Mark Dion, One Meter of Meadow, 1997, Foto: Eliane Lauscher, Fribourg, Schweiz

Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität.
Joseph Beuys



Kemal Kurt, Berlin, 1986, Courtesy Nachlass Kemal Kurt
|
|
 |

|